Transalp 2013 – Dessauer auf der Suche nach Höhenmetern

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tag2-2 „Sich quälen: Auch wenn man überhaupt nicht mehr kann, einfach stundenlang weitermachen und bei der Ankunft ist plötzlich alles vergessen und nur noch Freude in einem. Das ist Alpencross“. Dieses Zitat habe ich vor der Tour im MTB – Forum gelesen und dachte, na mal sehen was dich da erwartet. Jetzt, nach der Tour kann ich sagen: Genau das ist es – das ist Alpencross! Fast ein Jahr saßen wir an der Planung, spulten seit dem Frühjahr fleißig Trainingskilometer ab, schraubten noch bis kurz vorher und nun war er da, der Tag der Abreise zu unserer ersten Alpenüberquerung mit dem Rad. Geplant war die Albrechtroute mit leichten Anpassungen von Garmisch-Partenkirchen nach Riva am Gardasee zu fahren. Zudem entschieden wir uns die Tour ohne Begleitfahrzeug allein zu machen. Das ist nicht ganz so komfortabel aber problemlos und ohne große Einschränkungen möglich. Das Abenteuer begann, sieben Tage nur radeln, nur aus dem Radrucksack leben…

Anreise:

Vom Bahnhof in Dessau brachten uns Regionalzüge quer durch Deutschland nach Garmisch-Partenkirchen. Umsteigen mussten wir oft aber das lockerte die Zugfahrt etwas auf. So verging der erste Tag recht schnell und gegen Abend waren wir am Ziel.

Fotos:

Tag 1: Garmisch Partenkirchen / Landeck

Der erste Tag auf dem Rad, endlich ging es los. Nach einer ruhigen Nacht und ordentlichem Frühstück machten wir uns an die 80 Kilometer nach Landeck. Dieser Abschnitt gilt als Einrolletappe und führt, anfangs unterhalb der Zugspitze, meistens auf Wald- und Radwegen zum Ziel nach Landeck in Österreich. Zu Beginn war es noch trocken, der Wetterbericht meldete jedoch Dauerregen. Dieser setzte auch schon kurz vor dem Mittag ein und ließ den Rest unseres ersten Tages buchstäblich den Bach runtergehen. Nichtsdestotrotz mussten wir nach Landeck und so blieb nichts anderes übrig als Stunde um Stunde im strömenden Regen zu fahren. Endlich in der Pension angekommen, hieß es raus aus den Klamotten und für den nächsten Tag trocknen. Die Wetterfrösche versprachen Besserung…

Fotos:

Daten:

  • Länge: 80 km
  • Art: Mountainbike
  • Gegend: Alpen (Deutschland / Österreich)

Karte: (Garmisch-Partenkirchen / Landeck)

Tag 2: Landeck / Heidelberger Hütte

Morgens aufgewacht stellte sich uns als erstes die Frage: Sind die Klamotten und vor allem die Schuhe trocken? Sie waren es! Somit stand dem zweiten Tag, bis auf die zu bewältigenden Höhenmeter, nichts im Weg und wir starteten nach dem Essen. Zuerst führte uns der Weg nach Ischgl, welches jedoch im sommerlichen Dornröschenschlaf zu liegen schien. Wenigstens gab es einen offenen Supermarkt und so war zumindest die Mittagsverpflegung gesichert. Nach dem Essen waren es dann noch 900 Höhenmeter zum Quartier auf der Heidelberger Hütte, welche sich am Nachmittag sehr ziehen können. Unterwegs passierten wir die Grenze zur Schweiz. Auf der Heidelberger Hütte (2260m) angekommen, gab es ein sehr ordentliches Abendessen und wir ließen den Tag mit Gleichgesinnten ausklingen. Besonders erstaunt war ich über die Ausstattung der Hütte: Waschbecken mit (warmem!) Wasser auf dem Zimmer, für jeden ein Handtuch und WLAN wenn man es wollte. Ich war platt, nachdem ich mir schon oft auf anderen Hütten mit Wasser die Zähne geputzt habe, welches kurz vor dem Erstarren war. Das Wetter sollte gut bleiben und wir blickten gespannt auf den nächsten Tag…

Fotos:

Daten:

  • Länge: 47 km
  • Art: Mountainbike
  • Gegend: Alpen (Österreich / Schweiz)

Karte: (Landeck / Heidelberger Hütte)

Tag 3: Heidelberger Hütte / Santa Maria Val Müstair

Am nächsten Morgen begleitete uns strahlender Sonnenschein auf dem Weg zum Fimberpass auf 2608m Höhe, nicht weit von der Heidelberger Hütte. Oben angekommen ging es nach einem kurzen Fotostopp auch gleich auf die erste längere Abfahrt der Tour hinunter nach Ramosch. Was sich in den vergangenen Tagen schon angekündigt hatte wurde heute leider Wirklichkeit – Dirk musste mit Knieproblemen aus der Tour aussteigen und war fortan als Reiseleiter und Quartierorganisator tätig. Der Staffelstab des Tourguides ging an mich und so mussten wir zu dritt die Tour fortsetzen. Dirk schlug sich inzwischen per ÖPNV und Mitfahrgelegenheit erst nach Santa Maria und später zum Gardasee durch, wo er auf uns wartete. Ab Ramosch ging es dann wieder straff bergauf in die Uina-Schlucht, welche ein spektakulärer Weg im Fels krönt. Ab dem höchsten Punkt ging es wieder rasant bergab in Richtung Malz. Nachdem Jörgs hintere Bremse Kontakt mit einem Stein hatte und undicht war, hatten wir die erste ernsthafte Panne, die auch das Ende der Transalp hätte bedeuten können. Zum Glück fanden wir nach einer Sprinteinlage kurz vor sechs im Tal noch einen super Radladen, die das Problem schnell in den Griff bekamen. Glück gehabt. Die letzen Höhenmeter des Tages hinauf nach Santa Maria kurbelten wir mit einiger Verspätung hinauf und erreichten unser Quartier in der Dämmerung…

Fotos:

Daten:

  • Länge: 63 km
  • Art: Mountainbike
  • Gegend: Alpen (Schweiz)

Karte: (Heidelberger Hütte / Santa Maria Val Müstair)

Tag 4: Santa Maria Val Müstair / Grosotto

Die Verspätung des Vortages zog sich bis in den nächsten Morgen durch und wir starteten recht spät in den vierten Tourtag. Nach anfänglichen 900 Höhenmetern erreichten wir das Val Mora, ein langes und fast menschenleeres Hochtal an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien. Nachdem wir das Tal verlassen hatten, folgten zwei riesige Stauseen und da waren sie auch schon, die Torri di Fraele. Nach längerer Fahrt durch einsame Täler und einer Abfahrt über Serpentinen erreichten wir schließlich gegen 18:00 Uhr Grosotto und genehmigten uns die erste Pizza des Urlaubs…

Fotos:

Daten:

  • Länge: 74 km
  • Art: Mountainbike
  • Gegend: Alpen (Schweiz / Italien)

Karte: (Santa Maria Val Müstair / Grosotto)

Tag 5: Grosotto / Pezzo

Die fünfte Etappe, heute wartete er auf uns, der heftigste Anstieg unseres Vorhabens. Knapp 40 km lang und über 2000 Höhenmeter hoch – am Stück. Nach gutem Frühstück starteten wir aus Grosotto und machten uns, zuerst auf Asphalt, dann auf Wanderwegen und am Ende wieder auf Asphalt, auf den Weg zum „Höhepunkt“ unserer Tour dem Passo Gavia. Auf dem Weg dorthin grummelte es schon in den Wolken. Das hieß für uns Gas geben. Kaum auf dem Pass ging es auch schon los. Auf einmal standen wir in einer großen Waschküche und durften anschließend die Abfahrt nach Pezzo in strömendem Regen genießen. In Pezzo angekommen hatten wir das Glück, dass unsere Sachen über Nacht getrocknet wurden und wir gerade noch vor dem richtigen Unwetter die Unterkunft erreichten. Durch die eher schlechte Vorhersage für die nächsten Nachmittage passten wir, nach langem Hin und Her, unsere weitere Tourplanung an und entschieden uns die nächste Nacht in Madonna di Campiglio zu verbringen…

Fotos:

Daten:

  • Länge: 50 km
  • Art: Mountainbike
  • Gegend: Alpen (Italien)

Karte: (Grosotto / Pezzo)

Tag 6: Pezzo / Madonna di Campiglio

Nachdem sich der Regen über Nacht gelegt hatte und auch unsere Klamotten wieder einsatzbereit waren, hieß es heute Morgen knapp 1000 Höhenmeter hinauf zur Montozzo-Scharte. Erst einmal mussten jedoch die Bremsbeläge getauscht werden, um für die kommende Abfahrt fit zu sein. Oben angekommen bot sich ein herrlicher Blick, bevor die doch recht anspruchsvolle Abfahrt hinab zum Stausee „Lago Pian Palu“ auf uns wartete. Im Tal angekommen, hieß es erstmal Strecke zu machen, bevor wir hinter Dimaro noch einmal 900 Höhenmeter hinauf nach Madonna di Campiglio zu bewältigen hatten. Zum Feierabend ist so etwas echt übel. Kurz vor dem großen Regen erreichten wir das Quartier und speisten zum Abend mal wieder – Pizza…

Fotos:

Daten:

  • Länge: 61 km
  • Art: Mountainbike
  • Gegend: Alpen (Italien)

Karte: (Pezzo / Madonna di Campiglio)

Tag 7: Madonna di Campiglio / Riva del Garda

Heute war der große Tag gekommen, die letzte Etappe hinunter zum Gardasee. Morgens der erste Blick aus dem Fenster verriet, es regnete immer noch. Für diesen Fall hatten wir uns am Vorabend geeinigt, auf Trails und Waldwege zu verzichten und den schnellsten Weg nach Riva über die Straßen zu nehmen. Wie bestellt hörte es jedoch beim frühstücken auf zu regnen und wir konnten anfangs doch noch fernab der Straßen gen Süden radeln. Kurz nach dem Mittag hing der Himmel allerdings schon wieder voller dicker Wolken und wir entschlossen uns, so schnell wie möglich nach Riva zu kommen. Nach einem längeren Anstieg war er dann auch schon da – der letzte Pass der Tour. Ein schnelles Foto und von jetzt an hieß es Serpentine um Serpentine dem Ziel immer näher zu kommen. Oberhalb von Riva bot sich dann auch schon der erste Blick auf den See. Irgendwo da unten wartete Dirk, unser „Reiseleiter“. Wir hatten es geschafft – nach 439 Kilometern und über 12.000 Höhenmetern waren wir am Ziel…

Fotos:

Daten:

  • Länge: 64 km
  • Art: Mountainbike
  • Gegend: Alpen (Italien)

Karte: (Madonna di Campiglio / Riva del Garda)

Am Gardasee und Heimreise

Nach der Pflicht kommt die Kür und so entschlossen wir uns, am nächsten Tag noch eine kleine Runde am Gardasee zu drehen – wenn man einmal da ist und auch noch das Rad dabei hat. Nur einer tanzte aus der Reihe – Jörg umrundete den Gardasee noch zwischen Frühstück und Kaffee. Den Abend ließen wir, wie auch den Abend der Ankunft, mit Bier und Pizza sowie einem Rundgang durch Riva ausklingen.

Den letzten Tag unserer Tour nutzten wir, um ganz entspannt die 20km nach Rovereto zum Bahnhof zu radeln und uns auf die Heimreise vorzubereiten. 17:43 Uhr fuhr pünktlich der Eurocity nach München ein und wir schleppten unsere inzwischen wieder verpackten Räder hinein. Nach einigem Umsteigen waren wir schließlich gegen 9:30 wieder in der Heimat.

Alles in allem gab es bis auf ein paar kleine Stürze keine nennenswerten Zwischenfälle und wir haben alle gesund die Tour überstanden. Jetzt mit ein paar Tagen Abstand muss ich sagen, dass ich nicht gleich wieder starten würde aber in Zukunft wird der Transalpvirus bestimmt wieder zuschlagen…

Fotos: